Im folgenden veröffentlichen wir hier eine Pressemitteilung des Bildungsstreikbündnisses zu den Demonstrationen und Protesten, die am 17. Juni 2009 in ganz Deutschland stattfanden.

Am heutigen Mittwoch, den 17. Juni 2009, demonstrierten bundesweit insgesamt 240.000 Studierende, SchülerInnen, Auszubildende und andere soziale Gruppen. Im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks trugen sie in über 70 Städten ihre Wut über die Bildungsmisere auf die Straßen. Bereits am Montag und Dienstag kam es an 12 Hochschulen zu Besetzungen, in 20 Städten wurden Protestcamps errichtet. Viele Schülerinnen und Schüler wurden an der Teilnahme von Demonstrationen gehindert.

Ob in Soltau-Fallingbostel (2.000), Stuttgart (15.000), Würzburg (3.000), Rostock (3.000), Göttingen (10.000), Münster (10.000), Dresden (3.500), München (5.000), Hamburg (13.000), Heidelberg (7.000), Halle (3.000), Berlin (27.000), Marburg (2.500), Lübeck (1.700), Düsseldorf (7.000), Magdeburg (500), Hannover (10.000), Jena (6.000), Minden (400) oder Konstanz (1.500):
Der Bildungsstreik hat flächendeckend gegriffen. In Mainz wurde das Abgeordnetenhaus des Landtages gestürmt und die Forderungen verlesen. In Bielefeld lag zeitweise die ganze Innenstadt lahm, als das Straßenbahndepot und der Jahnplatz blockiert wurden. Das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst in Dresden ist zur Stunde von Bildungsstreikenden besetzt. In vielen Städten kam es zur Blockade von Verkehrswegen. Das Präsidium in Göttingen, die Uni Marburg und die TU Darmstadt wurden besetzt, während die anderen Besetzungen weiter anhalten. An Schulen in Heidelberg, Münster und Frankfurt wurde bekannt, dass die Schulleitungen Schülerinnen und Schüler eingesperrt hielten, um ihnen dei Teilnahme an den Demonstrationen zu verwehren. 5.000 Demonstrantinnen und Demonstranten traten vor einem Münchner Gymnasium in einen Sitzstreik, um gegen das Demo-Verbot des Rektors zu protestieren.

Deutschland ist kein Sonderfall. In ganz Europa halten die Proteste für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit bereits seit Monaten an. Ob in Frankreich, Spanien, Italien oder Griechenland: Alle vereint der Protest gegen den Bologna-Prozess, die zunehmende Privatisierung des Bildungssystems und die Kommerzialisierung von Bildung auf allen Ebenen.

In Kindertagesstätten, Schulen, Berufsschulen und Hochschulen kämpfen die Betroffenen insbesondere für die soziale Öffnung der Bildungseinrichtungen, für die gesetzliche Verankerung der Gebührenfreiheit von Bildung, für ehrliche Mitbestimmung und gegen zunehmenden Konkurrenzdruck.

Jan-Hendrik Matthey vom Mainzer Bildungsstreik-Bündnis: ” Um die gemeinsamen Ziele zu erreichen, bedarf es eines neuen gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins. Deshalb fordern wir alle Generationen auf, sich mit ihren Kindern und Enkelkindern zu solidarisieren und sich aktiv am Protest zu beteiligen.”

Trotz der massiven Proteste haben die Kultusministerkonferenz und die zuständigen Landesministerinnen und Landesminister nicht die Courage, sich mit den Forderungen des Bildungsstreiks auseinanderzusetzen.

Am morgigen Donnerstag sollen unter dem Motto “Tag des zivilen Ungehorsams” weitere Aktionen stattfinden. In Berlin kommt es am Freitag zu einer Kundgebung anlässlich der stattfindenden Kultusministerkonferenz. Am Samstag gibt es eine NRW-weite Großdemonstration: “Düsseldorf lahmlegen!”

Der Bildungsstreik hat in den vergangenen Tagen durch seine Dezentralität zusehends an Dynamik gewonnen, die Aufmerksamkeit in der ganzen Bundesrepublik erregt und öffentliche Akzeptanz erfahren. Mit seinen vielfältigen Aktionsformen haben die lokalen Bündnisse “Bildung” als Thema der Betroffenen gesetzt und einen gesellschaftlichen Diskurs angestoßen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Forderungen des Bildungsstreiks auch umgesetzt werden.

Chillen am See, Workshops und Diskussionsrunden, danach Cocktail und Konzert. So sah unser Wochenende beim Pressefest der Zeitung ‚Unsere Zeit’ aus, ein Fest der Deutschen Kommunistischen Partei.
Die SDAJ Bochum war dabei! Im Revierpark Dortmund Wischlingen haben wir gezeltet, gefeiert und mitgemischt bei den Diskussionen zum Bildungsstreik der letzten Woche, über Nazis und Weltwirtschaftskrise.

Das Pressefest findet alle zwei Jahre statt und bietet einen guten Mix aus Unterhaltung, Kultur und inhaltlichem Programm zu aktuellen politischen Themen. Mit 50.000 Besuchern und Besucherinnen das größte linke Fest in Deutschland!
Die SDAJ gestaltet dabei einen eigenen Jugendbereich, direkt am See mit Strandflair und Liegewiese.

Am Freitagabend eröffnen wir das Wochenende mit einem Quiz: „Wer wird Revolutionär?“ Gewonnen hat natürlich ein Dreamteam aus Bochum – mit maßgeblicher Unterstützung aus Koblenz.
Der Samstag bietet eine Fülle an Diskussionsrunden allein im Jugendbereich, die Themen sind breit gestreut. Morgens geht es um die Nato und militärischen Pläne der EU, am Nachmittag berichten uns zwei Gäste von befreundeten Organisationen aus Portugal und Griechenland über ihre Erfahrungen mit der Wirtschaftskrise, über ihren schon Jahre andauernden Widerstand gegen Sozial- und Bildungsabbau, der nun mit neuer Begründung verschärft wird.
Gleichzeitig läuft ein Antifa-Workshop und entwickelt Strategien gegen die Nazi-Plage.
Die TeilnehmerInnen am Graffiti-Workshop sammeln Ideen und basteln Vorlagen. Beim Twister-Turnier am Bootssteg plumpst unsere Bochumer Vertreterin beinahe ins Wasser.
Das Programm gipfelt im tagespolitischen heißesten Thema: Dem Bildungsstreik 2009 und wie wir jetzt weitermachen können.

Zwischendurch immer wieder ein Gang fort vom SDAJ-Bereich über den Rest des Festes. Obwohl es dann und wann anfängt zu nieseln, bleibt die Hochstimmung. Überall Musik, kulinarische Spezialitäten aus der ganzen Welt, internationale Gäste berichten von der politischen Situation in ihren Heimatländern.

Um 20 Uhr pünktlich zurück an den See. Das Konzert fängt an!
Drei Bands treten auf. Den Anfang machen Microphon Mafia mit Hip Hop aus Köln, mittlerweile Stammgast bei SDAJ Konzerten. Die Fat Flanders lösen ab mit Blasepunk und The Clerks bringen das Publikum mit Ska zum tanzen. Unmöglich das Konzert um 23 Uhr abzubrechen, die Stimmung ist besser als die Polizei erlaubt.

Am Sonntag noch ein leckeres Frühstück am Bootssteg, dann müssen die ersten auch schon abreisen und sich auf einen langen Heimweg machen, nach München, Kiel und in alle Teile Deutschlands.

Im folgenden stellen wir euch einen Artikel der bochumer Website “bo-alternativ” (siehe unsere Links) zum Thema Bildungsstreik vor.

Die Planungen für den Bildungsstreik in Bochum gehen in die heiße Phase. Kurz vor dem Start der Streikwoche am Montag verspricht das Streikkomitee Bildungsstreikes, dass auch im Ruhrgebiet eine ereignisreiche nächste Woche zu erwarten ist. Weiter heißt es: “Die Studierenden der Ruhr-Universität Bochum planen eine vielseitige Aktionswoche, deren Programm von Blockaden über Diskussionsveranstaltungen bis zu Demonstrationen reicht. Die Studierenden sowie Schülerinnen und Schüler sind jedoch nicht die Einzigen, die in der nächsten Woche protestieren wollen, auch von den Gewerkschaften gibt es eine breite Unterstützung.

Buntes Programm beim bochumer Bildungsstreik

Das Programm des Bochumer Bildungsstreikes ist so vielseitig wie die Forderungen der Studierenden und Schüler. Die einzelnen Tage der kommenden Woche sind verschiedenen Schwerpunkten zugeordnet und werden jeweils durch unterschiedliche Aktionsformen begleitet.
Die Bochumer Studierenden starten am Montag unter dem Motto “Block your Campus” in die Bildungswoche. Bereits um 8 Uhr morgens sollen verschiede Blockadepunkte auf dem Campus der Ruhr-Universität besetzt und bis in den Nachmittag hin aufrecht erhalten werden.
Am Dienstag wollen sich die Studierenden den inhaltlichen Forderungen des bundesweit organisierten Bildungsstreiks widmen. Hierzu werden öffentliche Diskussionsveranstaltungen zu den Hauptthemen des Streikes auf dem Gelände der Ruhr-Universität stattfinden. Die Studierenden werden an diesem Tag dazu aufgerufen, ihren Veranstaltungen fernzubleiben und sich an den Diskussionen zum Bildungssystem zu beteiligen.
Für den Mittwoch ist, wie in weiteren 80 deutschen Städten, eine Demonstration durch die Innenstadt geplant. Das Besondere in Bochum ist hierbei, dass die Studierenden nicht alleine protestieren werden, sondern insgesamt fünf Schulen auf ihrer Demoroute “befreien” werden um anschließend gemeinsam vor dem Rathaus eine Kundgebung abzuhalten.
Aus den Planungen für den Donnerstag machen die Aktiven noch immer ein Geheimnis: Fest steht bisher nur, dass sich die Aktionen im Ruhrgebiet dem bundesweiten Motto des zivilen Ungehorsams anschließen werden. Was genau darunter zu verstehen ist, soll erst am Donnerstag in die Öffentlichkeit gelangen.
Seinen Abschluss findet der Bildungsstreik in NRW am Samstag auf der landesweiten Demonstration in Düsseldorf. Dort werden Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gemeinsam gegen die sich zunehmend verschlechternde Situation im Bildungssystem auf die Straße gehen.”

streik2 Im November 08 streikten 120.000 SchülerInnen in Deutschland für bessere Bildung. Sie wollten sich nicht mehr mit der katastrophalen Lage im deutschen Schulsystem abfinden. Ihre Kritik betrifft auch besonders Euch als BerufsschülerInnen:
Es gibt viel zu wenig LehrerInnen und die Klassen sind überfüllt. Die Ausstattung und Technik an Berufsschulen ist oft veraltet und die Gebäude müssen dringend renoviert werden. Kantinen, wenn es überhaupt welche gibt, sind schlecht und die Preise für viele nicht bezahlbar. Ausbildungsinhalte werden von den Betrieben vorgegeben und gekürzt. Nach so einer „Schmalspurausbildung“ kannst du dein Leben lang bei BMW am Band stehen oder bei Bäcker Schmidt in der Backstube. Insgesamt fehlen hunderttausende Ausbildungsplätze in Deutschland und die Gefahr, nach der Ausbildung nicht übernommen zu werden und auf der Straße zu stehen ist hoch.

Weil diese Problem alle Jugendlichen betreffen, egal ob Auszubildende, SchülerInnen oder StudentInnen, müssen sie auch gemeinsam dagegen kämpfen. Deshalb beteiligt euch an der Aktionswoche gegen Bildungsabbau vom 15. bis 19. 6.09 und vor allem am Schulstreik am 17.6.09.

Was tun in der Aktionswoche?
Schulstreik am 17.6.: Besprecht in der Klasse, ob ihr gemeinsam streiken wollt. Wenn die Mehrheit dafür ist, geht mit eurem Klassensprecher zu den LehrerInnen und redet mit ihnen. Denn obwohl jeder in Deutschland das Recht hat, Forderungen mit Streik durchzusetzen, könnt ihr im Betrieb Probleme bekommen, wenn eure LehrerInnen dort anrufen und berichten, dass ihr nicht da wart. Je mehr ihr seid, desto geringer die Gefahr, dass ihr wegen eures Fehlens Probleme bekommt!

Anregungen für andere Aktionen:
Formuliert Forderungen zu Verbesserungen an eurer Schule (zum Beispiel niedrigere Kantinenpreise) und sammelt Unterschriften über diese Forderungen. Sprecht solche Forderungen im Unterricht an und diskutiert darüber mit euren LehrerInnen. Malt Plakate oder Transparente mit Forderungen und hängt sie in der Aktionswoche aus den Fenstern eurer Schule. Haltet eine kurze Kundgebung in der Pause, auf dem Schulhof oder vor der Schule ab, bei der ihr Probleme und eure Forderungen benennt.

Infokasten für LehrerInnen:
Liebe Lehrerin, lieber Lehrer,
auch wenn Sie als Beamte nicht streiken dürfen (Ihre KollegInnen in Bremen haben trotzdem gestreikt), können Sie trotzdem mithelfen, das Bildungssystem zu verbessern, indem Sie Ihre SchülerInnen nicht bei Aktionen und dem Schulstreik behindern. Denn sie streiken auch in Ihrem Interesse für kleinere Klassen, bessere Ausstattung der Schulen und moderne Lehrmittel. Also bitten wir Sie vor allem darum, nicht in den Ausbildungsbetrieben anzurufen und das Fehlen am 17.6. zu melden, da den SchülerInnen dadurch Probleme entstehen können.

Infos unter www.bildungsstreik2009.de

Ich habe gehört, ihr wollt nichts lernen

Daraus entnehme ich: ihr seid Millionäre.

Eure Zukunft ist gesichert – sie liegt

Vor euch im Licht. Eure Eltern

Haben dafür gesorgt, daß eure Füße

An keinen Stein stoßen. Da mußt du

Nichts lernen. So wie du bist

Kannst du bleiben.

Sollte es dann noch Schwierigkeiten geben,

Da doch die Zeiten

Wie ich gehört habe, unsicher sind

Hast du deine Führer, die dir genau sagen

Was du zu machen hast, damit es euch gut geht

Sie haben nachgelesen bei denen

Welche die Wahrheiten wissen

Die für alle Zeiten Gültigkeit haben

Und die Rezepte, die immer helfen

Wo so viele für dich sind

Brauchst du keinen Finger zu rühren

Freilich, wenn es anders wäre

Müßtest du lernen.´

Dieses Kindergedicht von Bertolt Brecht zeigt uns, wie wichtig es für den Menschen ist, sich Wissen anzueignen und dieses immer weiter zu vertiefen: Wer die Welt verändern will, der muss sie erkennen und wer die Welt erkennen will, braucht die Bildungszeitungen der SDAJ ;-)

Der Knaller: Die Grundlagen marxistischer Weltanschauung in 56 Seiten! Ideal für Gruppen oder Freundeskreise, die sich die elementaren Grundkenntnisse des Marxismus aneignen wollen:

Marxistische Grundlagenschule

Diese Bildungszeitung setzt sich mit der Militarisierung der kapitalistischen Gesellschaft auseinander. Eine gute Grundlage für alle KriegsgegnerInnen und AntimilitaristInnen, die auch begründen wollen, warum Krieg nicht nur scheiße ist, sondern auch wissen wollen, woher er kommt und wem er nützt:

Bildungszeitung Antimilitarismus

Das Kernthema der sozialistischen Jugendbewegung. Warum setzen wir auf die Arbeiterjugend? Was sind unsere Interessen und wie versucht das Kapital uns unsere Rechte zu beschneiden? Das alles und noch viel mehr:

Bildungszeitung ArbeiterInnenjugendpolitik (PDF)

Zum Verhältnis von bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung. Aktuelle Tendenzen und doppelte Ausbeutung der Frau. Hier die Facts. Bedenke, die Befreiung der Frau geht einher mit der Befreiung der unterdrückten Massen:

Frauenunterdrückung im Kapitalismus (PDF)

“Wer vom Kapitalismus nicht sprechen möchte, sollte auch vor dem Faschismus schweigen!” denn Weder der deutsche Faschismus noch die weniger extremen Beispiele dieser zerstörerischen Ideologie (z.B. in Chile, Spanien oder Italien) waren zufällig. Vielmehr ist der Faschismus eine Rettungsleine des Kapitalismus in der Krise. Aber lest selber:

Bildungszeitung Antifaschismus (PDF)