Am ersten September jährt sich nun zum 70. Mal der Überfall der faschistischen Wehrmacht auf Polen, der den Beginn des Zweiten Weltkrieges markierte. Nach seiner Niederlage, der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 1945, waren dem deutschen Imperialismus für die nächsten 40 Jahre durch das Vorhandensein eines starken sozialistischen Lagers die Hände gebunden. Nach 1990 gingen die deutschen Militaristen allerdings wieder daran, ihre verlorengegangene Weltmachtrolle Schritt für Schritt zurückzuerobern. Einen Meilenstein auf diesem Weg stellte die deutsche Beteiligung am Angriffskrieg gegen Jugoslawien dar – wohlgemerkt unter einer rot-grünen Bundesregierung.
Seitdem ist die Bundesrepublik stets mit dabei, wenn imperialistische Kriege rund um den Globus geführt werden. Sei es mit der Gewährung von Überflugrechten und nachrichtendienstlicher Schützenhilfe wie beim Irak-Krieg oder ganz direkter militärischer Beteiligung wie in Afghanistan.

Stell dir vor es ist Krieg und keiner gibt’s zu

Derzeit stehen ca. 4000 deutsche Soldaten in Afghanistan. Die Lage dort spitzt sich immer mehr zu. Es vergeht fast keine Woche mehr ohne neue Nachrichten von Anschlägen auf deutsche Truppen oder Feuergefechte mit deutscher Beteiligung. Die deutsche Strategie, zwar möglichst stark in Afghanistan präsent zu sein, um weltweit ein Wörtchen mitreden zu können, sich aber aus den Kampfhandlungen so gut es geht herauszuhalten, um den Krieg an der Heimatfront weiterhin als „humanitären Einsatz“ verkaufen zu können, ist gescheitert. Doch obwohl bereits 32 deutsche Soldaten ums Leben gekommen sind, im Berliner Bendlerblock bereits ein Denkmal für diese „im Einsatz ums Leben gekommenen“ errichtet wurde und Frau Merkel an Afghanistankämpfer Tapferkeitsmedaillen verleiht, will „Verteidigungs-“minister Jung weiterhin nicht von einem Krieg sprechen. Der Nato Oberbefehlshaber spricht jedoch eine andere Sprache: „Politiker können es nennen, wie es ihnen beliebt. Ich bin Militär, und für mich ist es Krieg. Ich denke, wenn sie deutsche Soldaten fragen, werden die dasselbe sagen.“

Der Krieg wird ausgeweitet

Während man hierzulande also noch um die richtige Sprachregelung bemüht ist, weiten die USA unter dem vor der Wahl noch als Friedensengel gefeierten Präsidenten Obama derweil den Krieg auch auf Gebiete in Pakistan aus. Die pakistanische Regierung schweigt zu dieser Verletzung ihrer staatlichen Souveränität, was wiederum nicht unwesentlich dazu beitragen wird, immer mehr Menschen den Taliban in die Arme zu treiben. Angesichts einer für die imperialistischen Angreifer immer schwieriger werdenden militärischen Lage will man nun mit „gemäßigten Taliban“ verhandeln, was jedoch nicht bedeutet, dass man willens ist, die Kriegshandlungen einzustellen. Solange die Besatzer vor Ort sind, wird es für die afghanische Bevölkerung keinen Frieden (und auch eine tatsächlich freien Wahlen) geben. Die USA und ihre Verbündeten haben es sich zum Ziel gesetzt, dieses für sie geostrategisch wichtige Land an den Grenzen Russlands und Chinas unter allen Umständen unter ihre Kontrolle zu bringen.

Der Hauptfeind steht im eigenen Land!

Diesem Ziel fühlt sich auch die Bundesregierung verpflichtet und es ist so gut wie sicher, dass sich das auch unter der nächsten Regierungskoalition – mag sie nun schwarz-gelb oder rot-schwarz sein – nicht ändern wird. Gegen die anhaltenden Besatzungspolitik des deutschen Imperialismus und die immer höheren Kosten für Krieg und Rüstung hilft nur entschiedener Protest in diesem Land. Wir wollen nicht als Kanonenfutter am Hindukusch für die Interessen des deutschen Kapitals sterben und stellen uns allen Versuchen der Bundeswehr entgegen, die miesen Zukunftsperspektiven der Jugend für ihre Werbefeldzüge auszunutzen. Wir wissen mit den Worten von Karl Marx: „Nur eine Nation kann selbst frei sein, wenn sie keine andere unterdrückt.“

Die SDAJ fordert:

- Raus aus Afghanistan jetzt! Stopp aller Auslandseinsätze!
- Kein Geld fürs Militär – mehr Geld für Bildung und Ausbildung!
- Bundeswehr raus aus Schulen, Unis und Arbeitsämtern!

Zahlen und Fakten:
Seit acht Jahren wird nun Krieg in Afghanistan geführt. 2003 wurde in den Irak einmarschiert, wo heute immer noch 128.000 Amis unter Waffen stehen. In Afghanistan wurde mit 20.000 GI’s begonnen. Ab Ende des Jahres sollen es 68.000 sein. Dazu kommen 3900 deutsche Soldaten und 9000 aus Großbritannien. Den Juli diesen Jahres haben 75 Soldaten nicht überlebt, davon 43 US Amerikaner. Die Briten haben Mitte August ihren 200 Soldaten verloren. 2008 waren es insgesamt 294. Dieses Jahr sind es bereits 203!
Demgegenüber stehen von Anfang bis Mai diesen Jahres mindestens 800 Tote Zivilisten, wovon 261 allein im Mai getötet wurden.

„Nach unserem Sieg – nie wieder Krieg!“ Diesen Schlachtruf kann man leider immer öfter nicht nur auf Nazi-Demos hören, sondern auch auf Antikriegsdemonstrationen. Nazis beteiligten sich an Demos gegen den Irak-Krieg, Ostermärschen oder auch Demonstrationen zum Antikriegstag am 1. September. Was steckt dahinter? Immerhin haben sich Nazis bisher stets durch Verherrlichung von Krieg und Militarismus und nicht als ihre Gegner hervorgetan. Doch wenn man genauer hinsieht, merkt man auch beim Auftreten der Nazis gegen die aktuellen Kriege, dass hier keine antimilitaristischen oder antiimperialistischen Positionen bezogen werden. Unter dem Motto „Kein deutsches Blut für fremde Interessen“ werden die Kriege der USA im Irak und Afghanistan abgelehnt, nicht weil es sich um imperialistische Angriffskriege handelt, sondern weil es dort ihrer Meinung nach nicht um „deutsche Interessen“ – d.h.. die Interessen des deutschen Kapitals – geht. Ihr Feind ist nicht der Kapitalismus, als die Hauptursache für Kriege, auch nicht der Krieg selbst, es sind die USA als Hauptkonkurrent des deutschen Imperialismus. Deshalb bejaht beispielsweise die NPD nicht nur den Dienst in der Bundeswehr, sondern fordert auch eine gegen die USA gerichtete „Achse Berlin-Paris-Moskau“ und die atomare Bewaffnung Deutschlands. Nazis sind also nach wie vor keine Kriegsgegner und ihre Antikriegsrhetorik ist lediglich eine Spielart ihrer sozialen Demagogie und zugleich Ausdruck ihres aggressiven Nationalismus.