Wir nehmen Abschied vom Antifaschisten Klaus Kunold. Klaus verstarb vergangenen Samstag im Alter von 79 Jahren. An der Seite seiner Freundinnen unde Freunde, seiner Familie und seinen GenossInnen stehen wir erschüttert und betroffen.
Denn sein Tod ist für die antifaschistische Bewegung, in Bochum und überall, ein schwerer Verlust. Als SDAJ wollen wir dir, Klaus, ein aufrechtes Danke mit auf den Weg geben und wiederholen:

„Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.
Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.“

Den Beerdigunstermin und alles weitere erfahrt ihr in den
nächsten Tagen auf der Website der VVN-BDA Bochum.

Das Bildungsstreik-Bündnis Bochum, in dem auch die SDAJ Bochum mitarbeitet, hat einen Flyer zu den unentschuldigten Fehlstunden, den einige Schulen den SchülerInnen wegen ihrer Teilnahme an der Bildungsstreik-Demo am 17.11.2011 geben wollen, veröffentlicht:

Keine unentschuldigten Fehlstunden für engagierte Schülerinnen und Schüler!

Am 17. November fand am Bochumer Hauptbahnhof eine Vollversammlung der Schülerinnen und Schüler von die Bezirksschüler_innenvertretung statt. Auf dieser sollten allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben werden über aktuellen schulpolitische Themen zu diskutieren und gemeinsam Ideen zur Verbesserung der Schule zu sammeln. Auch Schülerinnen und Schüler der Maria Sybilla Merian Gesamtschule nahmen diese Möglichkeit wahr, dafür werden sie jetzt von der Schulleitung ihrer Schule bestraft.

Die Teilnahme an allen SV-Veranstaltungen ist durch das Schulgesetz geschützt. Die Schülerinnen und Schüler der Maria Sybilla Merian Gesamtschule sollen nun aber einen Vermerk mit unentschuldigten Fehlstunden auf dem Zeugnis kassieren. Einige mussten zusätzlich sogar zwei Stunden nachsitzen. Die Schulleitung rechtfertigte dies auf Nachfrage der Bezirks-SV damit, dass die Schülerinnen und Schüler am gleichzeitig stattfindenden Bildungsstreik teilgenommen hätten.

Geforderte Demokratie auch zulassen!

Für ihre Vorwürfe hat die Schulleitung keinerlei Beweise. Aber das ist für uns auch gar nicht die maßgebliche Frage. Egal ob die „Beschuldigten“ auf der Vollversammlung oder dem Bildungsstreik waren, in beiden Fällen haben sie sich für ihre Rechte und die Demokratie eingesetzt. Wer auf dem Bildungsstreik für bessere Bildung protestiert, nimmt sein Grundrecht auf Demonstrations- und Meinungsfreiheit war und setzt sich vor allen Dingen auch politisch für seine Interessen ein.

Dies ist nicht nur eine Frechheit, sondern die Lehrerinnen und Lehrer schneiden sich hierbei auch ins eigene Fleisch. Mehr Geld für die Schulen und Renovierung der maroden Schulgebäude bedeutet nämlich auch eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Die „Lehrergewerkschaft“ GEW in Nordrhein-Westfalen unterstützt den Bildungsstreik ebenfalls. Schülerinnen und Schüler für ihr Engagement zu bestrafen, widerspricht also ihren eigenen Interessen.

Wir Schülerinnen und Schüler sollen laut Schulgesetz NRW zur „Bereitschaft zum sozialen Handeln“ (§2.2) und „im Sinne der Demokratie und Freiheit“ (§2.2) erzogen werden. Und genau diese Bereitschaft, genau diesen sinn zur Demokratie, haben am 17. November 300 Schülerinnen und Schüler gezeigt, sie dafür zu bestrafen ist undemokratisch und widerspricht allem was uns in der Schule beigebracht werden soll.

Wir meinen, Schülerinnen und Schüler gerade für ihr Engagement an einem solchen Tag zu bestrafen ist eine politische Entscheidung. Es kann nicht sein, dass Schülerinnen und Schüler für ihren Einsatz für ein besseres Bildungssystem härter bestraft werden, als Schülerinnen und Schüler die aus anderen Gründen nicht zur Schule kommen.

Strafen aufheben, Engagement fördern!

Schule braucht interessierte und kritische Köpfe. Deswegen fordern wie die Schulleitung und alle Lehrerinnen und Lehrer auf die Strafen aufzuheben und stattdessen Schülerinnen und Schüler in ihrem Engagement zu fördern.

Ruinen der Bochumer Synagoge 1938

Heute vor 73 Jahren, am 09. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen, wurden Geschäfte angezündet, Wohnhäuser demoliert und geplündert. Menschen wurden auf offener Straße totgeschlagen, misshandelt und vergewaltigt. Das Ereignis, das von den deutschen Faschisten “Reichskristallnacht” getauft wurde, stellt jedoch nicht nur ein grausames Pogrom dar, wie man es in Deutschland seit dem Mittelalter nicht mehr gesehen hat, sondern auch den Punkt, an dem die Faschisten keinen Zweifel mehr daran ließen, wie ernst es ihnen mit der Hetze gegen Juden war.

Die Judenpolitik nach der Machtübergabe an die Nazis bis zum 09. November 1938 war geprägt von einer systematischen und sich schrittweise steigernden Diskriminierung der Juden: Die Einrichtung einer zentralen Judenkartei, die Entfernung von Juden aus den öffentlichen Berufen und dem gesamten öffentlichen Leben. Die Reichspogromnacht leutete den offenen, terroristischen Angriff auf die Juden ein. Die Konzentrationslager wurden ausgebaut, die Deportation Tausender schon vor dem 09.11. vorbereitet, Zwangsumzüge und Ghettoisierung vorangetrieben. Was für uns ein barbarisches Verbrechen ist, war für deutsche Unternehmen zum Teil ein Freudenfest: Jüdische Unternehmen und Läden wurden entweder so zerstört, dass sie keine Konkurrenz mehr für sie darstellten oder (nach der Reichsprogromnacht in zunehmenden Maße) “arisiert”, also erst in Staatsbesitz genommen und danach oft unter Wert an deutsche Kapitalisten verkauft.

Der Tod und das Elend von Menschen, die als Parasiten angesehen wurden, brachten den Rubel für deutsche Unternehmen ins Rollen. Ein Beispiel für “arisierte” Unternehmen ist die ehemalige Kaufhauskette Hertie, das nach der Arisierung zu einer der größten Kaufhausketten Deutschlands wurde. In Bochum ist das Kortumhaus, in dem sich vor 1938 das Kaufhaus Alsberg befand, wohl das bekannteste Zeugnis der Arisierung.

“Da, wo Darwin für alles herhält, ob man Menschen vertreibt oder quält, da, wo hinter Macht Geld ist, wo stark sein die Welt ist, von Kuschen und Strammstehen entstellt. Wo man Hymnen auf dem Kamm sogar bläst in barbarischer Gier nach Profit, “Hosianna” und “Kreuzigt ihn!” ruft, wenn man irgendeinen Vorteil darin sieht, ist täglich Kristallnacht.” (frei nach BAP: Kristallnaach”)

Wir gedenken aller Opfer der faschistischen Pogrome,
SDAJ Bochum