73 Jahre Reichspogromnacht

Gepostet am 9. November 2011 Antifaschismus

Ruinen der Bochumer Synagoge 1938

Heute vor 73 Jahren, am 09. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen, wurden Geschäfte angezündet, Wohnhäuser demoliert und geplündert. Menschen wurden auf offener Straße totgeschlagen, misshandelt und vergewaltigt. Das Ereignis, das von den deutschen Faschisten “Reichskristallnacht” getauft wurde, stellt jedoch nicht nur ein grausames Pogrom dar, wie man es in Deutschland seit dem Mittelalter nicht mehr gesehen hat, sondern auch den Punkt, an dem die Faschisten keinen Zweifel mehr daran ließen, wie ernst es ihnen mit der Hetze gegen Juden war.

Die Judenpolitik nach der Machtübergabe an die Nazis bis zum 09. November 1938 war geprägt von einer systematischen und sich schrittweise steigernden Diskriminierung der Juden: Die Einrichtung einer zentralen Judenkartei, die Entfernung von Juden aus den öffentlichen Berufen und dem gesamten öffentlichen Leben. Die Reichspogromnacht leutete den offenen, terroristischen Angriff auf die Juden ein. Die Konzentrationslager wurden ausgebaut, die Deportation Tausender schon vor dem 09.11. vorbereitet, Zwangsumzüge und Ghettoisierung vorangetrieben. Was für uns ein barbarisches Verbrechen ist, war für deutsche Unternehmen zum Teil ein Freudenfest: Jüdische Unternehmen und Läden wurden entweder so zerstört, dass sie keine Konkurrenz mehr für sie darstellten oder (nach der Reichsprogromnacht in zunehmenden Maße) “arisiert”, also erst in Staatsbesitz genommen und danach oft unter Wert an deutsche Kapitalisten verkauft.

Der Tod und das Elend von Menschen, die als Parasiten angesehen wurden, brachten den Rubel für deutsche Unternehmen ins Rollen. Ein Beispiel für “arisierte” Unternehmen ist die ehemalige Kaufhauskette Hertie, das nach der Arisierung zu einer der größten Kaufhausketten Deutschlands wurde. In Bochum ist das Kortumhaus, in dem sich vor 1938 das Kaufhaus Alsberg befand, wohl das bekannteste Zeugnis der Arisierung.

“Da, wo Darwin für alles herhält, ob man Menschen vertreibt oder quält, da, wo hinter Macht Geld ist, wo stark sein die Welt ist, von Kuschen und Strammstehen entstellt. Wo man Hymnen auf dem Kamm sogar bläst in barbarischer Gier nach Profit, “Hosianna” und “Kreuzigt ihn!” ruft, wenn man irgendeinen Vorteil darin sieht, ist täglich Kristallnacht.” (frei nach BAP: Kristallnaach”)

Wir gedenken aller Opfer der faschistischen Pogrome,
SDAJ Bochum

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